Panzerschlacht, naklar. Wo es Table-Top gibt, da gibt es auch ne Panzerschlacht – oder zumindest finstre Oger und Goblins, Tie-Fighter und Zombies. Aber was um alles in der Welt ist der Hessenschmaus? Dies und noch einiges mehr vom 4. Rhein-Main-Multiversum in Nidderau servieren wir euch als ofenfrischen Hessenschmaus.
Der Hessenschmaus des Christopher Thomas
Ein „deutsches Restaurant“ verkündet Frau Google, wenn man sie nach dem Hessenschmaus befragt. In der Heldenberger Str. 16 in 61130 Nidderau findet sich in der Willi-Salzmann-Halle das Lokal des Christopher Thomas. Es heisst schlicht Hessenschmaus und öässt mit seinem bodenständig bescheiden klingenden Namen nur erahnen, mit welchen Köstlichkeiten der Koch aufwarten wird. An allen drei Tagen dieses Wochenendes durften wir – Aussteller und Besucher des 4. Rhein-Main-Multiversums – daran teilhaben. Eines vorweg: das Wochenende hat dem Sturmi nicht gereicht, die Speisekarte einmal rauf und runter zu futtern. Ein echtes Zeitproblem. Wert gewesen wäre die Speisekarte den Kraftakt.
Sturmi zog sich die Kalbsleber mit Kartoffelpü, Apfelringen, Röstzwiebeln und einer traumhaftesten Honig-Balsamico-Sauce rein – ebenso das Vogelsberger Rumpsteak und die Schweinelende mit Leberwursthaube. Das Himbeerparfait muss auch noch erwähnt werden. Jedes für sich eine gelungene Komposition, insgesamt ein kulinarischer Rausch an zweieinhalb Tagen.
Um wieder zum Thema zurückzufinden… Der Hessenschmaus belieferte die gesamte Table-Top-Szene der Location mit gefühlt 86.431 Burgern. Für Sechs-Tacken-Achzich gingen sie reihenweise über die Theke. Mancher Gamer musste mehrfach ausgerufen werden, wenn er ins Spiel vertieft plötzlich auf Magenbetankung umschwenken sollte. Aber man war dann sofort bei der Sache.
Das 4. Rhein-Main-Multiversum in Nidderau am 27.5.2016
Jetzt habe ich schon so viele Worte über das kulinarische Rahmenprogramm verloren und merke, dass ich mal langsam auf das Kernthema einschwenken sollte. Was gab es noch am Wochenende?
Schön, sich wiederzusehen
Viele Leute, die man schon lange nicht mehr gesehen und gesprochen hat, kamen auch zum 4. Rhein-Main-Multiversum nach Nidderau. Hat gut getan, war schön, sich auszutasuchen. Cpt. Alatriste von Ad Arma aus Speyer hatte da glaube ich den weitesten Anreiseweg. Mit einigen werden wir uns vielleicht in Gemmerich und Mainz, sicher aber in Stammheim wiedersehen.
Die Spieltische
1. X-Wing-Turnier
Für unseren Halvarson und den Lucas war das X-Wing-Turnier ein Highlight. Der Halvarson hatte sogar neue Space-Flieger geordert und spezielle Piloten und Kärtchen dazu dabei. Die Wucht in Dosen, wenn man seinen Worten vor dem Turnier Glauben schenken wollte.
2. Dead Man’s Hand
Gleich zu Beginn habe ich mich mal für euch im Saal umgesehen. Einige mir bislang noch unbekannten Table-Top-Games waren dabei und mit so einem beginne ich mal, denn der Spieltisch befand sich in den Gewässern vor Saint-Aubin-Sur-Nidder. Zünftig westernmäßig ging es in dem kleinen, staubigen Örtchen zu. Vom Saloon bis zum Totengräber war alles dabei. Auf der Straße war das Klimpern des Klaviers zu hören, das Pfeifen und Johlen der angetrunkenen Cowboys und gelegentlich ein Schuss, wenn ein Falschspieler etwas zu ungeschickt ein As aus dem Ärmel zog. Viel zu tun für den Grave-Digger am anderen Ende des Ortes.
Im Verlauf des Wochenendes sah man dann finstere Revolvermänner die Main Street hinunter laufen. Die Hand stets bereit den Colt zu ziehen. Die Table-Top-Gamer wirkten da gelassener und würfelten fleissig. Hier ein paar Foto-Schnapp-Schüsse des Spieltisches mit „Dead Man’s Hand“.
3. Man o‘ War – Raging Sea Battles
Nen Tisch weiter breitete sich auf karibisch blau-grün funkelndem Samt eine kleine Flotte aus, die sich auf ein Gefecht vorbereitete. Man o‘ War nennt sich das Format und lockt zum Spiel. Hier ein paar Fotos der ebenso enthusiastisch wie gekonnt gestalteten Spielelemente. Die Namen für die Spielelemente hat sich der Sturmi ausgedacht. Könnte aber manchmal ganz gut passen, oder?
4. Deadzone – war in urban battlezones
Einen Tisch weiter ging es etwas futuristisch bis postapokalyptisch zu. Noch waren zunächst keine Mech Warriors zu sehen, aber das Szenario mit Stahlplatten und einer kalten Staffage gab schon einen Eindruck von der zu erwartenden Schlacht zwischen mit schwersten Boltern, Raketenbatterien und Lasern bewaffneten Mechanischen Kriegern. Auch hier ein paar Schnappschüsse für euch.
5. Frost Grave – thaw of the lich lord
Frost Grave war mir nu schon mehrfach begegnet. Zuletzt in Lübeck beim PMCL. Irgendwann finde ich mal die Zeit ein Game zu wagen. Dieses Wochenende war ich zu sehr eingespannt und hatte keine Muße. Das kongeniale Spielfeld (genauer zwei Spielfelder, denn zwei Spieltische standen unter dem Zeichen von Frost Grave) aber will ich euch nicht vorenthalten. Das gesamte erste Spielfeld wurde praktisch from scratch erbaut, wie wir erfahren haben. Respekt! Ein wenig Historie hat es auch schon auf dem Buckel, hat es doch auf der Hamburger Tactica bereits Meriten gesammelt.
Und weiter geht es mit Zombies und Kollegen. Der zweite Frost-Grave-Spieltisch zeigte sich überirdisch, wenngleich aus den Katakomben diverse Zombies ihr Unwesen trieben. Die Häuser bestachen auch für sich – es sind Lasercut-Häuser.
6. SAGA – the crescent and the cross
Einen SAGA-Tisch hatten wir auch an Bord.
7. Guild Ball
Das Guild Ball Spielfeld erinnerte mich ein wenig an Blood Bowl. Ich ließ mir aber sagen, dass das Spiel aus einer ganz anderen Ecke kommt.
8. Freebooters Fate am Tisch von „EVIL“ vom Tabletop Club Rhein Main e.V.
Der Spieltisch mit Freebooters Fate hat bei mir spontan Lust ausgelöst, da mal eine Runde zu spielen. Und hätte der ganze Event nicht immer mehr und mehr Drive – vor allem auch an unserem Spieltisch – bekommen, hätte ich die Chance am Tisch von „Evil“ genutzt. Naja, der nächste Con kommt bestimmt und Evil wird sicher wieder dabei sein. Schaut es euch an, ich finde die Pirateninsel kongenial.
9. Pedal to da Metal: Berliner Dice Knights
Ein wenig apokalyptisch ging es am nächsten Spieltisch zu, der von den Berliner Dice Knights präsentiert wurde. Später beobachtete ich auch das Game. Manches erinnerte mich auf Situationen auf der Autobahn, manches mehr an Mad Max. Na, ein bisschen von allem ist sicher dabei. „Folgebewegung, Schalten, Bewegen, Schießen“ so lautet das Programm. Megamäßig aufgemotzte Boliden heizen übers Spielfeld und ballern, was das Zeug hält. Wer nicht richtig schaltet oder kurvt, den trägt es bei Pedal to da Metal (zu deutsch: „Vollgas geben“) bald aus der Kurve. Ich habe auch all die verrückten Cars mal abgelichtet. Das eine oder andere würde ich auch mal gerne auf der A3 ausprobieren…
10. Cold War Commander: Asgard Aschaffenburg e.V.
Mit Cold War Commander kommen wir dann schon langsam wieder in die dem Sturmi etwas geläufigere Ecke der Weltgeschichte. Die Mini-Tanks von Asgard Aschaffenburg e.V. sind absolut cool und als Erstes haben die mal nen Ausflug nach Saint-Aubin-Sur-Mer gemacht. Völlig maßstabsverkehrt und auch wenig zeitgenössisch – dafür aber umso schnuckliger… Eh bien, regardez!
Von uns Rhein-Main-Behind-Omaha-Spielern haben sich Sgt. Obernoob und Klotzpanzer zu einem Spiel niedergelassen. Sgt. Obernoob aka Lucas nimmt sich der russischen Invasoren an, Klotzpanzer aka Florian verteidigt mit den Truppen der Bundeswehr.
11. Bolt Action
Auch von Bolt Action gabs nen Spieltisch. Dummerweise sind hier die Fotos sämtlich verhagelt. Man möge es mir verzeihen. Die gezeigten Modelle waren durchweg allererste Sahne.
12. Infinity von Corvus Belli
In einem eigenen Raum gab es ein Turnier von Infinity (Corvus Belli). Hier kann der Sturmi nicht mit Sachverstand aufwarten, sondern nur die Fotos der fantasievoll gestalteten Szenarien zeigen. Bitte sehr.
13. Saint-Aubin-Sur-Mer
Ja genau. Die Pink Unicorns gabs auch noch. Plasti und meinereiner sowie fast unsere ganze Spielertruppe waren da: Halvarson, Sgt. Obernoob, Klotzpanzer, Doncolor… Eine Novität hatten wir auch im Rucksack. Während zuletzt in Lübeck und Speyer unsere Saint-Aubin-Platte in zwei Teilen auf Ausstellung war, fand an diesem Wochenende erstmalig die „Jungfernfahrt“ der gesamten Platte statt. Stapellauf und Jungfernfahrt in Einem, haben wir auf 4,35m x 1,80m verschiedene Spielszenarien angeboten:
- 9 Shermans vs. 3 Tiger I: Shermanjagd in der Altstadt von Saint-Aubin
Vier Spieler teilen sich das Stadtgebiet von Saint-Aubin-Sur-Mer. Zwei Sherman-Jagden finden gleichzeitig statt.
- 18 Shermans vs. 4 Tiger I: Overrun in ganz Saint-Aubin
Zwei Spieler machen sich auf, das gesamte Stadtgebiet von Saint-Aubin-Sur-Mer zu bespielen. Nur ein Tigerlein mehr, dafür doppelt soviele Schörmis. Kann das gut gehen?
- Die Erstürmung des Château de Tailleville
Die kanadischen Truppen haben Saint-Aubin-Sur-Mer genommen. Nun steht der Vormarsch auf Le Château Tailleville an. Dort steht der Stab des II. Bataillon des Grenadier-Regiment 736. 70 Mann Kanadier, unterstützt von drei Cromwell Panzern greifen das Schloss an. 40 Mann Deutsche mit einer StuH 42, einer Pak 40 und einem Panzer IV H verteidigen dasselbe.
Für die Shermanjagden haben wir die Profilwerte der Fahrzeuge verändert. Der Tiger I startet mit einer Frontpanzerung von 11, Alle Shermans werden als 75mm-Shermans eingesetzt. Sie haben eine Stärke-3-Waffe, die Waffenboni entfallen. Auch das Errechnen der Trefferzahl / Strukturpunkteverluste haben wir optimiert: erreicht der Schadenswurf mit den W6 den Panzerungswert plus 2, so gibt dies einen weiteren Treffer / Strukturpunkteverlust. Erreicht der Schadenswurf mit den W6 den Panzerungswert plus 4, so gibt dies einen weiteren Treffer / Strukturpunkteverlust. Tiger wie Sherman können pro Runde nur 1x schießen, können nur drei Strukturpunkte verlieren.
Es hat sich gezeigt, dass die Verläufe der Gefechte so eher dem entsprechen, was man erwarten darf. Der Tiger kann so tatsächlich einen Sherman bei Frontalbeschuss mit dem ersten Treffer außer Gefecht setzen. Nicht immer, aber häufig. Umgekehrt beißen sich die Schörmis oft die Zähne am Tiger aus.
Hier ein paar Fotos von der Shermanjagd in Saint-Aubin. Von der Erstürmung von Château Tailleville haben wir keine Fotos gemacht.
Das Stadbild wird jedoch nicht nur von den Tiger-Panzern und Shermans geprägt. Noch vor wenigen Tagen pulsierte hier das Leben und so finden sich in den Straßen von Saint-Aubin-Sur-Mer auch die Pkw der Bewohner des französischen Badeortes in der Normandie.
Soviel zum Thema Table-Top in Nidderau.
Ein großes Danke an die Nidderauer Table-Topper
Es war eine fröhlich-freundschaftliche Aufnahme in Nidderau. Es begann schon mit dem Aufbau, bei dem sich mir am Freitag abend gleich mehrere helfende Hände beim doch recht umfänglichen Ausladen der Saint-Aubin-Platte entgegen streckten. Da fühlt man sich gleich zuhause wie bei Freunden. Auch während der Veranstaltung war es ein ausgesprochen freundschaftliches Miteinander.
Die Organisation war perfekt, das sollte man auch mal erwähnen. Dazu gehörte auch der frische Kaffee am Sonntag morgen zur unchristlichen Uhrzeit von 09:00 Uhr. Lecker Brötchen wurden auch angeboten, die reißenden Absatz fanden. Des Gamers Geldbeutel wurde netterweise nur mäßig strapaziert.
Ein Danke an den Tabletop Club Rhein Main e.V. von Plasti & Sturmi und den anderen Einwohnern von Saint-Aubin-Sur-Nidder.
Bildnachweis: © alle schwarzer.de bis auf die Bilder der Shermanjagd (SJ), die stammen von Halvarson.